Als Stipendiat ins Luxusinternat?

(Das Aschenputtel-Syndrom)

Das Stipendienwesen ist an allen privaten Internatsschulen, aber auch an staatlichen Instituten, mehr oder minder ausgeprägt. Stipendiat zu sein (dies gilt zumindest für die preislich exklusiven Privatinstitute), soll nach den Bekundungen der Stipendien-Stifter als Auszeichnung für herausragende Leistungen oder überdurchschnittliches Engagement  im Sinne der Gemeinschaft verstanden werden. Stipendien für Schüler(innen), die Außergewöhnliches leisten oder auf andere Art von sich reden machen, sind eine gute Investition. Wenige "Vorzeige-Schüler" wie Prominenten-Kinder, Sieger in Wettbewerben, schulische Hochleister oder Absolventen, die es später "zu was gebracht" haben,  werten das gesamte Institut auf, mag die Mehrzahl seiner Eleven auch weit weniger vorzeigbar sein (siehe die nachfolgende Dokumentation einer Image-Kampagne der "Hermann-Lietz-Schule" Bieberstein).
 
DOKUMENTATION:  Vom Schulversager-Internat zur „Eliteschule für Hochbegabte“
 
 
Weitere Dokumentation: Leistung, Leistung, Leistung
 
Allerdings ist die Grenze zwischen leistungsbezogenen Stipendien und reinen Kostenermäßigungen, die aus kosmetischen Gründen gewährt werden, um leer stehende Belegplätze zu füllen, für die sich keine Vollzahler gefunden haben, häufig fließend. Staatliche Internate für hochleistende Hochbegabte oder auf Spezialgebieten besonders Talentierte setzen Stipendien prinzipiell nicht zur Verbesserung der Schülerauswahl ein, da sie im Regelfall nur Bewerber(innen) zugänglich sind, die den jeweils geltenden strengen Aufnahmekriterien entsprechen. Allerdings gibt es auch hier unrühmliche Ausnahmen. Die Internatsgebühren staatlicher Eliteinternate sind zudem grundsätzlich so niedrig angesetzt, dass eine Sonderung der Schüler nach den Einkommensverhältnissen der Eltern vermieden wird. Zusätzliche Nachlässe bei den Kosten sollen sicherstellen, dass kein(e) geeignete(r) Bewerber(in) aus wirtschaftlichen Gründen zurückgewiesen werden muss.    
 
Teure Privatinstitute neigen dazu, ihre preisliche und damit auch soziale Exklusivität dadurch zu verschleiern, dass sie die geringe Zahl der Schüler(innen), die in Genuss leistungsbezogener Vollstipendien kommen, gemeinsam mit all denjenigen ausweisen, die lediglich Teilstipendien bzw. relativ geringe Kostenermäßigungen beziehen. So kommt man dann oft zu öffentlichkeitswirksamen Aussagen wie der folgenden, die allerdings ein bewusst falsches Bild der Realität vermitteln: 
 
"Mehr als 20% der Schülerinnen und Schüler an der Schule Schloss Salem haben ein Stipendium, die Schule stellt für diese Nachwuchsförderung alljährlich 2 Mio. Euro zur Verfügung." (Quelle: Finanznachrichen.de).
 
Andererseits wird offen zugegeben, dass die Möglichkeiten preislich exklusiver Wohnschulen, nennenswerte Abschläge auf die doch horrenden Jahrespensionssätze zu gewähren und damit tatsächlich eine soziale Durchmischung ihrer Schülerschaft herzustellen, die derjenigen der Gesamtgesellschaft auch nur annähernd entspräche, sehr beschränkt sind. 
So berichtet Financial Times Deutschland unter dem Titel: "Hohe Kosten - Im Internat geht das Licht aus" :
 
 "Die Rahmenbedingungen, die wir bieten, kosten einfach viel Geld: die enge Betreuung, die kleinen Klassen, die vielen Lehrer" , sagt Werner Esser, Leiter und Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Internats Louisenlund. Über 60 Prozent der Ausgaben seien Personalausgaben. Und da das Land nur einen kleinen Zuschuss für die externen Schüler gewährt, muss sich das Internat komplett aus Schulgebühren finanzieren. Das sind 30.000 Euro im Jahr. Eine Normalverdienerfamilie kann sich das nicht leisten. Weil Esser aber aus pädagogischen Gründen nicht nur Rich Kids im Gutshaus am Schleiufer haben möchte, vergibt die Stiftung, die das Internat trägt, Stipendien, für Leistungsbegabte wie für Bedürftige. "Wir lassen niemanden vor der Tür stehen, nur weil die Eltern das Schulgeld nicht zahlen können", sagt Esser. Leisten kann er sich das aber auch nur, weil zwei Drittel der Schüler Vollzahler sind. Zu viele Stipendien können auch Eliteeinrichtungen nicht vergeben, sonst kippt das Geschäftsmodell."
 
Man muss den Eindruck gewinnen, dass ein Stipendiensystem unter solchen Bedingungen die sozialen Gegensätze eher  verschärft  anstatt - wie immer wieder gern behauptet wird - für einen sozialen Ausgleich zu sorgen. So zeigt ein Hörfunkfeature von SWR2 über die Schule Schloss Salem das genaue Abbild einer neoliberalen Zwei-Klassen-Gesellschaft:
 
"Die Leistungsträger unter den Schülern, die sich in den sozialen Diensten engagieren, Schulsprecher sind oder im Schülerrat mitmachen, sind in der Regel Stipendiaten.
Etwa ein Drittel der Schüler bekommt ein Stipendium. Sie werden sorgfältig ausgewählt. Wer jedoch voll zahlt, wird unbesehen genommen. Man wirbt um die „Vollzahler“, denn sie sichern den Bestand der Schule, und mit ihren Gebühren bringen sie auch die Kosten für die Stipendiaten auf.
In puncto Leistungsverteilung ist es in Salem genau umgekehrt wie an anderen Schulen: Hier gibt es nicht die übliche Normalver-teilung mit viel Durchschnitt, wenigen Spitzen und ein paar Versagern, sondern mehr Extreme: Hohe Leistungen und diejenigen, die durchgeschleppt werden müssen.
"
 
Warum also überhaupt diese leicht durchschaubare Luftnummer mit dem vermeintlich hohen Stipendiatenanteil? Sie dient als künstlicher Nebel im offen ausgebrochenen "Klassenkampf im Klassenzimmer". Peinliche Fragen nach dem auch von Stipendiaten-Eltern im Durchschnitt noch aufzubringenden Eigenanteil an den Internatskosten sollen auf diese Weise gar nicht erst gestellt werden. Denn bei genauer Betrachtung würde schnell offenkundig, dass Otto Normalverdiener selbst bei einem Rabatt von 50 oder gar 80 Prozent noch eine höhere Summe berappen muss als das Bundesverfassungsgericht dies vor dem Hintergrund des Verbots der Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern für zulässig erklärt hat (BVerfG-Beschluss des I. Senats vom 9. März 1994 1 BvR 682, 712/88, BVerfGE 90, 107). Schon ein verhältnismäßig bescheidenes Schulgeld von umgerechnet 85 Euro monatlich wäre nach diesem Urteil geeignet, den Verfassungsgrundsatz des Art. 7 Abs. 4  Grundgesetzt zu verletzen. Ähnlich die Auffassungen der Verfassungsgerichte der Länder: "Einige wenige Freiplätze oder Schulgeldstipendien in Ausnahmefällen für besonders begabte oder besonders arme Kinder" gewährleisteten die nach Art. 7 Abs. 4  Grundgesetzt geforderte allgemeine Zugänglichkeit privater Schulen nicht (BVerfGE 90, 107, 119).
 
Eine gefährliche Erkenntnis mit erheblichen Konsequenzen: Trotz Ermäßigungen und Stipendien sind Salem & Co. laut Verfassung der Bundesrepublik Deutschland also weder überhaupt genehmigungsfähig noch erfüllen sie die Voraussetzungen staatlicher Bezuschussung nach den Ersatzschulfinanzierungsgesetzen der Länder, die bis zu 80 Prozent der Personal und Sachkosten, teilweise auch einen erheblichen Teil der Baukosten, ausmachen. Der Bundesfinanzhof [Urteil vom 14.12.2004 (XI R 66/03) BStBl. 2005 II S. 473] und das Finanzgericht Köln (Urteil vom 14. Februar 2008, Az.: 10 K 7404/01) haben diesen Sachverhalt und damit zugleich den Skandal, dass im Fall von Salem & Co. die Verfassung missachtet und das Recht gebeugt wird, eindeutig bestätigt. Aus dem Umstand, so das Finanzgericht Köln, dass es in Deutschland nicht wenige staatlich anerkannte Ersatzschulen mit einem jährlichen Schulgeld von bis zu 30.000 Euro gäbe, müsse der der Schluss gezogen werden, dass das Sonderungsverbot in der Anerkennungspraxis der Bundesländer nicht ernst genommen werde.
 
Dass dennoch nichts geschieht, um im Bildungswesen unseres Landes verfassungsgemäße Zustände durchzusetzen, gehört zu den vielen Mysterien dieser schlecht getarnten neoliberalen Klassengesellschaft, die feudale Privilegien nicht nur insgeheim bewahrt hat, sondern im Rahmen einer "marktkonformen Politik" (A. Merkel) auch so lange ungeniert an die neue Aristokratie der Bankauszüge ausreichen wird, wie der Wutbürger der korrupten Politikerkaste nicht permanent auf die Finger schaut und notfalls auch haut.
Mögen die Privilegierten ihre obskuren Sonderschulen auch zu heiligen Kühen erklären und - "Hände weg von Salem!" - wegen ihrer angeblichen schulreformerischen Verdienste und charakterbildenden Pädagogik Bestandsschutz einfordern: Die Regierenden - die sich unabhängig von ihrer politischen Couleur nur zu gern vor den Karren der Reichen und Einflussreichen spannen lassen  (dies zeigt u.a. der unter nachfolgendem Link dokumentierte peinliche Lapsus der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg aus der jüngsten Vergangenheit), müssen endlich gezwungen werden, sich dem höchsten deutschen Gericht zu beugen! Statt Privilegien für wenige Betuchte zu schaffen, haben sie allen Kindern dieses Landes gleiche (im Sinne von gleich guten!) Lernbedingungen zu garantieren!
 
Wenig auskunftsfreudig sind Salem & Co. übrigens gegenüber dem Anteil solcher Eleven, deren Internatsaufenthalt im Rahmen sog. stationärer Jugendhilfemaßnahmen von öffentlichen Kostenträgen (Jugendämtern) finanziert resp. bezuschusst wird. Dabei würde sich auch die Gruppe der sog. "Jugendamtskinder" zum Beleg der Tatsache gut eignen, dass die Schulen der Reichen auch weniger Begüterten offen stehen. Doch müsste man hierbei erhebliche Imageschäden befürchten, denn die Besser-verdiener verbinden mit dem Besuch privater Internatsschulen in erster Linie den Wunsch nach einem besseren sozialen Umfeld, als dies gewöhnliche Staatsschulen bieten. So wurde die stark skandalisierende Berichterstattung einiger Zeitungen über die Belegung norddeutscher Nobelinternate durch die Hamburger Sozialbehörden  von den Internatsrepräsentanten wie von Politikern eher ausweichend und verharmlosend kommentiert. Man war bemüht, die Zahl der Erziehungshilfefälle, mit denen Nobelinternate freie Kapazitäten auszulasten versuchen, herunterzuspielen und zu betonen, dass "Gewalttäter" grundsätzlich nicht aufgenommen würden. Denn die feine Kundschaft wurde gerade in letzter Zeit mehrfach durch Schlagzeilen wie "Mord im Elite-Internat", "Internatler schoss Rektor in den Kopf" oder "Junges Mädchen von Schulkamerad vergewaltigt und ermordet"  beunruhigt. Nicht nur in dem Fall aus der französischen Provinz  bringen solche Bluttaten zumeist mehr Informationen über die inneren Zustände der vermeintlichen Eliteinternate ans Tageslicht, als den Verantwortlichen lieb ist.     
 
Kinder weniger zahlungskräftiger Eltern erwartet in den Luxusinternaten oft ein Leben "zwischen Idylle und Grauen" (Die ZEIT). Denn die Kinder der Reichen, die zumeist nicht gerade zu den Leistungsträgern gehören, aber dafür umso selbstbewusster auftreten, können es die Leistungsstipendiaten sehr deutlich spüren lassen, dass sie nicht den richtigen "Stallgeruch" haben und im Grunde Kostgänger spendabler Großverdiener sind. Man spricht in diesem Zusammenhang von dem sog. "Aschenputtel-Syndrom", einer tief sitzenden Beschädigung des Selbstwertgefühls infolge permanenter Zurücksetzung  oder Mobbings. Dabei muss es sich nicht einmal um offene Aggression oder Ausgrenzung handeln. Viel wirkungsvoller sind oft subtile Formen der Gönnerhaftigkeit oder gedankenlose Bemerkungen, die den Stipendiaten immer wieder vor Augen führen, dass sich hinter einer Fassade der "Nettiquette" oft sozialer Dünkel und soziale Ressentiments verstecken. 
 
George Orwell hat dieses bohrende Gefühl, am Tisch der Reichen lediglich geduldet zu sein, in dem Essay "Such, Such Were the Joys" (deutsch: "Die Freuden der Kindheit"), eindrucksvoll beschrieben. Orwell, der eigentlich Eric Athur Blair hieß, wurde am 23. Januar 1903 in Moitihari in Bengalen geboren. Er besuchte zunächst die anglikanische Kirchenschule in Henley-on-Thames und wechselte 1911 auf Empfehlung von dort auf die St. Cyprians Vorbereitungsschule in Eastbourne, Sussex, eine Internatsschule für Kinder der englischen Oberschicht. Auf Grund seiner guten Leistungen wurde den Eltern die Hälfte des Schulgeldes erlassen. Das Internat verhalf ihm ferner zu einem königlichen Stipendium und einem Studienplatz in der Eliteschmiede Wellington. Die Internatsliteratur greift solche Stipendiatenschicksale, die oft in Selbstmorden oder blutigen Rachefeldzügen der Gedemütigten enden, bis in jüngste Zeit gern auf. Selbst in den Drehbüchern deutscher Krimiserien haben mittlerweile sozialkritische Seitenhiebe auf die Parallelwelt der Reichen in fiktiven Nobelinstituten Einzug gehalten, in denen nach Meinung des ehemaligen Tatort-kommissars und Altsalemers Jochen Senf „die Widersprüche nur so aufeinander krachen“ (siehe auch die nachfolgenden Links):
 
 
Die angesprochenen Institute, die sich makabrerweise gern als Drehorte solcher imageschädigenden Filmproduktionen anbieten,  versuchen dagegen, den Eindruck von "Bonzen-Schulen", in denen verzogene  Prominenten- und Großverdiener-Gören unter-privilegierte Altersgenossen quälen, zu zerstreuen, indem sie glückliche Vorzeige-Stipendiaten präsentieren (siehe z.B. der ZEIT-Beitrag: "Salem ist kein Bonzenbunker, sagt Daniela Zech, Tochter eines Postbeamten"). Allerdings werden durch solche bestellten Jubelbeiträge und medialen Ergebenheitsadressen oft  Leserkommentare provoziert, die die erhoffte Propaganda- wirkung erheblich relativieren.
 
Unabhängig von solcher gelenkten PR stellt sich die schöne Welt der klassenlosen Internatsgesellschaft allerdings nicht ganz so harmonisch dar (siehe die nachfolgen-den Links):
 
 
Doch solche negativen Informationen gelangen nur selten an die Öffentlichkeit oder erreichen gerade diejenigen nicht, die davon betroffen wären. Nur deshalb war es den Werbe-Strategen von Salem & Co. und ihren journalistischen Helfershelfern vermutlich möglich, einen neuen Nachfrage-Trend bei weniger Finanzkräftigen aus-zulösen: Bildungs- und leistungsorientierte Mittel- statt dekadenter Oberschicht, wie man es zumindest ständig zu suggerieren versucht.
Leistungsstarke, die sich von solchen Werbeversprechen blenden lassen, dürfen allerdings nicht hoffen, im Luxusinternat nun auf eine nennenswerte Zahl Gleichge- sinnter zu treffen. Denn es sind wiederum nicht unbedingt die Musterschüler und Vorzeigekinder, die mit Ratenzahlungen, Kostenermäßigungen  und Stipendien in die früher zumindest  preislich exklusiven Luxus-Internate gelockt werden. Wer nach narzisstischer Selbstaufwertung im Schloss-Ambiente strebt und sich gern im zweifelhaften Glanz der Prominenten und Einflussreichen sonnt, hat zumeist Defizite zu kompensieren und gehört nicht unbedingt zu den Reflektiertesten. Intelligentere Schüler(innen), die in der öffentlichen Tagesschule beste Leistungen erbringen und im Elternhaus keine Konflikte verursachen, sind weder  durch Schnäppchen-Preise noch durch neofeudales Gepränge zu verführen, ihr unabhängiges Leben gegen den uniformierten Anstaltstrott eines Nobelinternats einzutauschen. Sie können sich zu-dem leicht ausrechnen, dass das Versprechen besserer Karrierechancen in den Beziehungsnetzwerken der Edel-Alumni kaum einlösbar ist.  Denn  jede "Demokrati-sierung" dieses Systems feudaler Begünstigung durch Ausweitung der Zahl der Begünstigten würde  dessen Effizienz zerstören. Zudem kann auch die Öffnung dieser Schulen für die weniger Privilegierten die Reichen kaum hindern, bei der Ver-teilung einträglicher Pfründen am Ende doch wieder unter sich zu bleiben. 
 
Bei Salem & Co. mischen sich derweil vor allem verzogene Kinder von Neureichen mit dem oft genauso verzogenen und geltungssüchtigen Nachwuchs der Mittelschicht, der zwar weder durch besondere Talente und Begabungen noch elterlichen Reichtum gesegnet ist, aber dennoch hofft, von Beziehungsnetzwerken profitieren zu können, die früher nur den missratenen Abkömmlingen der Oberschicht ein auskömmliches Leben ohne Können und Leistung sicherten. Dies spiegelt sich direkt in bestimmten Ratgeber-Portalen wider: Schülerfrage: Gibt es auch Internatsstipendien ohne gute Noten?
 
Und längst schon hat sich eine neue dümmlich-dünkelhafte bzw. altklug-hochnäsige Jungschickeria herausgebildet, die die „Entkoppelung von Leistung und Erfolg“ (Prof. Sieghard Neckel) der neoliberalen „Marktgesellschaft" aktiv lebt und ihr Privileg, eine Sonderschule für reiche Kinder zu besuchen, aggressiv verteidigt, ohne sich um die dunklen Seiten dieser Parallelwelt zu scheren. Hier tauscht man sich vorzugsweise darüber aus, welches Outfit am "1. Tag im Internat"  das absolute Muss sei, oder diskutiert allen Ernstes die Frage, warum die Kinder reicher Eltern immer besser aussehen als die von ärmeren.
 
Dass wir hier nicht übertreiben, beweist der folgende tiefsinnige "Gedankenaustausch" bei "Gutefrage.de":
 
wie komme ich im internat am besten an?
Frage von moniqueally  20.08.2012 - 17:46
 
>> ich gehe in 2 wochen auf ein elite-internat am bodensee (viele wissen jetzt vllt auf welches, ist ja auch egal).. jetzt wollte ich fragen ob vllt jmd erfahrungen hat, wie man da am besten ankommt und klarkommt, wie man beliebt wird und ob man da gleich total out ist wenn auch mal ein teil von h&m im kleiderschrank hat..(klar hab ich auch markenklamotten aber wenn ich mit freundinnen shoppen gehe, gehe ich auch mal zu h&m und so... wäre echt dankbar für tipps & ratschläge thx monique <<
 
Antwort von Fragmich23  20.08.2012 - 17:50
 
>> Ich war jahrelang auf einem Internat und man kann sich kaum vorstellen was da abgeht... das Klischee, das alle auf Markenklamotten fixiert sind, stimmt tatsächlich. Es gab mal eine Situation, bei der ein Mädchen ein Top von C&A anhatte... du glaubst gar nicht was die durchmachen musste. Mobbing extrem... und da H&M und C&A ja qualitativ ungefähr gleich sind, würde ich die Klamotten direkt aus dem Kleiderschrank werfen. Lass dir von Papi lieber ordentliche Kleidung kaufen... sonst bist du ganz schnell untendurch. Viel Glück! <<
 
Da kann das Resümee einer Stipendiatin kaum verwundern, die sich in einem Internet-Forum zwar persönlich an eine „gute Zeit“ erinnert, aber dennoch zu dem Schluss kommt::
 
>> ich war selber auf einem solchen "elite" internat ( wie schloss salem), es war schön und ich hatte eine gute zeit. dennoch war ich auch froh als es dann vorbei war. noch mal würde ich aber nicht zustimmen auf eines zu gehen. man lebt wirklich in einer andern welt. in einer teils sehr elitären gemeinschaft. hinzu kommt der für mich sehr krasse leistungsunterschied. von einer sehr guten gesamtschule, auf ein internatsgymnasium is heftig.
ich hatte das glück das ich ein stipendium bekommen habe, habe da auch bei meinen mitschülern nie einen hehl draus gemacht. habe schnell anschluß gefunden. aber da ich aus dem eher linken flügel komme, war mir mancher mitschüler doch recht suspekt. die leben in einer anderen welt, die haben ganz andere sorgen. mit denen der normalsterblichen nicht zu vergleichen, dennoch genauso wichtig und unerträglich.<<
 
 
Lesen Sie zu diesem Thema auch:
 

 


Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!