ZFI

Zeitgeschichtliche Forschungs- und Dokumentationsstelle Internate der AVIB gemn.e.V.

Dokumentation 1

Leistungsvergleich: Privatschulen nicht besser als öffentliche Schulen!

Dies beweist die sorgfältige Studie "Schulleistungen in staatlichen und privaten Schulen im Vergleich - eine  Übersicht über neuere Forschungs-ergebnisse"  von Oktober 2004, aus der wir nachfolgend zitieren: 

 

Weiß, M; Preuschoff, C.: Schülerleistungen an staatlichen und private Schulen im Vergleich. In: Schömer, G.; Tillmann, K.-J.; Weiß, M. (Hrsg.): Die Institution Schule und die Lebenswelt der Schüler. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften 2004, S.39-71.

 

>>Auf der Basis von Daten der PISA-E-Stichprobe wurden die Leistungen von 15-Jährigen in 14 privaten Realschulen und 18 privaten Gymnasien mit den Leistungen derselben Altersgruppe in staatlichen Realschulen und Gymnasien, die in einem Matching-Verfahren aus der Gesamtstichprobe selegiert wurden, miteinander verglichen. Als Matching-Kriterien wurden der durchschnittliche sozioökonomische Status der Eltern, die durchschnittliche Punktzahl im kognitiven Fähigkeitstest und der Anteil 15-Jähriger mit Migrationshintergrund verwendet. Ergebnis: Wenn wesentliche leistungsrelevante Aspekte der Zusammensetzung der Schülerschaft kontrolliert werden, lässt sich nur für die Mädchen der privaten Realschulen ein moderater Leistungs-vorteil feststellen. Innerhalb dieser Gruppe ragen die reinen Mädchenschulen mit überdurchschnittlichen Ergebnissen (im Lesen und Naturwissenschaften) heraus: Zum Teil erreichen diese Schulen das Leistungsniveau eines durchschnittlichen Gymnasiums der Gesamtstichprobe. Dieses Resultat indiziert weiteren Forschungs-bedarf. Dabei wird vor allem den Besonderheiten des Lernmilieus (z.B. der religiösen Prägung) Aufmerksamkeit zu schenken sein, die mit den aus PISA-E verfügbaren Daten nicht untersucht werden konnten. Abgesehen von dem guten Abschneiden der Mädchen der privaten Realschulen zeigen sich wenig bedeutsame Leistungsunterschiede zwischen den 15-Jährigen in staatlichen und privaten Schulen. Dieses Ergebnis wird auf die relative Invarianz in den institutionellen Rahmenbedingungen staatlicher und privater Schulen zurückgeführt, die eine Folge des in Artikel 7 des Grundgesetzes festgelegten korporatistischen Modells des "Dritten Sektors im Schulbereich ist.<<

 

Dokumentation 2

Privatschulen "zwischen Anspruch und Masse" -  Warum privaten Schulen oft mehr zugetraut wird als sie leisten können.

Für die oben beschriebene "Invarianz (Unveränderlichkeit) der institutionellen Rahmenbedingungen" von Schule und ihre Auswir-kungen finden sich bereits frühere  Belege. 1992 etwa stellt die Schulpflegschaftsvorsitzende eines katholischen Gymnasiums  im "Rheinischen Merkur" (Beate Köster: "Kienbaum und die Folgen", RhM Ausg. vom 19.06.1992, S.16) fest, dass die Privatschulen auch von einem Ruf lebten, "der weniger auf Tatsachen" beruhe "als auf Wunschdenken". Sie hätten letztlich unter staatlichen Vorgaben und Eingriffen in die Struktur des Bildungswesens ebenso zu leiden wie öffentliche Lehranstalten. Gerade katholische Schulen seien "aufgrund ihrer Anzie-hungskraft in besonderem Maße versucht, eine forcierte Politik der großen Klassen in der gymnasialen Unterstufe zu betreiben". Die jüngeren Schüler müssten praktisch den "Lehrerverbrauch" für attraktive Kursangebote in der Sekundarstufe II "erwirtschaften". Sie bezahlten dies mit Disziplinproblemen und mangelnder Hilfestellung beim Lernen, die zu langfristigen Defiziten im Bereich der Grund-qualifikationen, der Sozialkompetenz und der Lernstrategien führten.


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